
Zweimal klar geführt und einmal stark aufgeholt: Am Ende flatterten die Nerven und Raiffeisen Volley Toggenburg verliert das dritte, klar beste und spannende Playoutspiel gegen das Leistungszentrum von Zürich, das zum letzten Mal in der NLA spielte.
Markus Imthurn
Trainer Detlev Schönberg startete mit der Lichtensteigerin Cosima Wildberger anstelle von Leoni Kunz in die Partie. Die Annahme wirkte stabiler als in den vorherigen Partien und auch im Angriff fand Toggenburg variablere Lösungen. Beim Stand von 13:13 übernahm Heba Sól Stefánsdóttir den Service. Mit ihren Aufschlägen brachte sie die Academy plötzlich gehörig ins Wanken. Die Zürcherinnen häuften Fehler an Fehler und wirkten unsicher. Toggenburg nutzte diese Phase und setzte sich mit 22:15 ab. Der Satz schien bereits entschieden.
Doch mit der Zielgeraden vor Augen verlor das Heimteam plötzlich den Faden. Die Angriffe scheiterten überhastet, die Annahmen wankten und die Nervosität war spürbar. Der komfortable Vorsprung schmolz Punkt für Punkt dahin. Timeouts und Wechsel änderten nichts. Am Ende gelang der Academy das Kunststück, den Satz noch mit 25:23 zu stehlen.
Ende Satz, Ende Feuer
Mit Wut im Bauch startete Raiffeisen Volley Toggenburg in den zweiten Durchgang. Weiter überzeugte das Heimteam mit Einsatz. Beim Stand von 15:14 trat Alina Marty zum Service an und erneut geriet die Zürcher Annahme ins Wanken. Toggenburg nutzte die Unsicherheiten konsequent aus und zog analog zum ersten Satz deutlich zum 21:15 davon. Mit dem Satzgewinn vor Augen setzte erneut eine seltsame Lähmung in den eigenen Reihen ein. Unsicherheit und Übermut nahmen zu und der sichere Vorsprung schrumpfte Punkt für Punkt dahin. Die Academy bedankte sich höflich und nahm auch den zweiten Durchgang mit 25:23 mit nach Zürich.
Umgekehrte Voraussetzungen im dritten Satz
Nach diesem erneuten Rückschlag war der Widerstand der Toggenburgerinnen weitgehend gebrochen. Die Fehlerquote beim Heimteam stieg deutlich an und die Academy übernahm zunehmend die Kontrolle. Beim Stand von 18:23 für die Zürcherinnen, schien der dritte Satz ebenfalls bereits entschieden. Doch nun wurden auch diese plötzlich nervös und agierten hektisch und fahrig. Der komfortable Vorsprung schmolz Punkt für Punkt dahin und das Heimteam konnte verdient kurz vor Schluss den Ausgleich erzwingen 24:24, 26:26 lautete die enge Kiste. Der Gast behielt die Nerven. Der dritte Satz ging mit 28:26 an die Gäste und beendete eine Partie, in der Toggenburg Druck aufbaute, zu seinen Punkten kam, aber in den entscheidenden Momenten sich immer wieder selbst aus dem Spiel nahm.
Damit endet die Playout-Serie 0:3. Wie schon vor der Saison bekannt, gibt es keinen Absteiger aus der NLA. Der Sieger der NLB wird automatisch aufsteigen. Ob es ein neues NLZ-Team geben wird, ist offen, aber eher unwahrscheinlich. Raiffeisen Volley Toggenburg ist bewusst mit jungen Spielerinnen und vor allem Spielerinnen aus den eigenen Reihen in die NLA-Saison gestartet, damit das Kader Erfahrung sammeln kann, auch im Hinblick auf eine zweite Saison mit möglichst konstanter Besetzung. Dieses Ziel wurde erreicht. Zwar war am Ende punktemässig der Abstand zum 8. Playoffplatz auf dem Papier deutlich. Es fehlte in einzelnen Partien aber nicht viel, um zu punkten.
Die Playoffqualifikation konnte nicht erwartet werden. Das Hauptziel wurde erreicht, auch wenn sich das Team am Ende oft selber geschlagen hat. Mit dem Abgang von Arita Ternava, der erfahrensten Spielerin bis dahin im Team, nach Italien verlor das Team nach Weihnachten an Stabilität und neue, bis anhin verletzte und sich im Aufbautraining befindende Spielerinnen konnten erst vier Runden vor Ende der Qualifikation ins Geschehen eingreifen. Kurz vor Ende der Quali schlug Verletzungspech zu. «Wir haben uns gewünscht, unseren Fans mehr Erfolgserlebnisse bieten zu können. Haben individuell und im Team viel gearbeitet. Der Lohn ist ausgeblieben», zieht Head-Coach Schönberg eine erste Bilanz. Präsidentin Maja Hedinger blickt bereits nach vorne: «Wir bedanken uns bei unseren Fans und Sponsoren für die wertvolle Unterstützung. Die Vorbereitungen für die nächste Saison laufen sowohl organisatorisch wie auch sportlich auf Hochtouren. Wir planen auf die neue Saison Neuerungen im Team und auch bei der Infrastruktur.»
Raiffeisen Volley Toggenburg – NLZ Volleyball Academy 0:3
Sätze: 23:25, 23:25, 26:28
Raiffeisen Volley Toggenburg: Theresa Beer, Lia Capraro, Leoni Kunz, Alina Marty, Cara Lewis, Heba Sol Stefansdottir, Viviane Habegger / Cosima Wildberger, Laura Gassmann, Matilda Vollmer, Darija Ilic; verletzt: Jil Joos, Adiva Joseph


