
Starke Show ohne Lohn: In einem unterhaltsamen Spiel verliert Raiffeisen Volley Toggenburg knapp gegen Tabellennachbar Genf. Das intensive Duell bot Spannung, Action und am Ende Drama. Die Gäste nahmen den Sieg mit, das Publikum beste Unterhaltung am Samstagvorabend.
Markus Imthurn
Es war gute Werbung für das Damen-Volleyball in der Schweiz. Intensive, lange Ballwechsel und dynamische Angriffe prägten das Spiel. Auf beiden Seiten gehörten die Fehler zur Tagesordnung, welche beiden Teams gleich reihenweise unterliefen. Es war über vier Sätze hin ultra-spannend und elektrisierend. Nicht nur für die anwesenden Fans, sondern auch für die Teams und Trainer.
Nach einer anfänglichen Abtastphase zogen beide Teams ihr gewohntes Spiel auf. Genève Volley haderte mit seinem unpräzisen Passspiel und schien den Block schlichtweg zuhause vergessen zu haben. Raiffeisen Volley Toggenburg konterte mit einer etwas fahrigen Annahme und ein paar Servicefehlern in den unpassendsten Momenten. Doch das Spiel packte jeden. Kein Team konnte sich entscheidend absetzen und jedes Mal, wenn man dachte, «so… Jetzt kippt der Satz,» kämpfte sich das Gegnerteam wieder heran.
Bei Genève Volley war Libera Flavia Knutti eine Bank in der Verteidigung. Offensiv lief einiges über das erst 18-jährige Juwel Eden Traub, der viele eine grosse Zukunft zutrauen. Doch Volley Toggenburg brauchte sich nicht zu verstecken. Im Block zeigte sich das Heimteam mit Cara Lewis und Alina Marty stark und die wieder genesene Diagonal und MVP Heba Sol Stefánsdóttir verwandelte die Bälle teils brachial. Leoni Kunz, Lia Capraro und Cosima Wildberger kamen ebenso zu Punkten. Dies alles kumulierte sich in einem unterhaltsamen vierten Satz. Hier kam einfach alles zusammen. Spannung, Leidenschaft, Hektik und ein bisschen Drama.
Satzballdrama am Ende
Wir stehen mitten im vierten Satz. Beide Teams liegen gleichauf. Kurzzeitig geriet Volley Toggenburg mit 14:16 in Rückstand und konterte umgehend mit schönen Abschlüssen zum 17:16. Die Nerven flatterten auf beiden Netzseiten. Es steht 19:19. Ein Servicefehler von Genf beantwortete Volley Toggenburg mit einem Angriff ins Netz. Die Topscorerin von Genf verwandelt einen Angriff longline und Cara Lewis bestraft eine schlechte Annahme der Genferinnen kaltblütig zum 22:22. Das Heimteam in Person von Leoni Kunz verwandelt einen Angriff wuchtig. Es steht 24:23 und damit
Satzball zum 2:2 für Raiffeisen Volley Toggenburg. Hier liessen sich dann sogar die Schiedsrichter von der nervenaufreibenden Atmosphäre anstecken! Wurde der Angriffsball von Heba Sol Stefánsdóttir noch vom Genfer Block touchiert? Ein Viertel der anwesenden Fans, die Angreiferin eingeschlossen, sahen einen Touch und feierten den vermeintlichen Satzgewinn lautstark. Die Schiedsrichter sahen das jedoch anders und gaben den Ball «Out». Und so kam, was kommen musste. Zwei Angriffe von Volley Toggenburg ins Aus besiegelten die Niederlage des Heimteams.
So blieb am Ende eine knappe Niederlage für Toggenburg und die Erkenntnis, dass sogenannt bedeutungslose Spiele auch einen grossen Unterhaltungswert liefern. Spannung, Emotion und ein bisschen Wahnsinn waren reichlich vorhanden. Punkte für die leidenschaftlichen Wattwilerinnen leider nicht.
Raiffeisen Volley Toggenburg – Infomaniak Genève Volley 1:3
Sätze: 22:25, 25:17, 22:25, 24:26
Raiffeisen Volley Toggenburg: Theresa Beer, Lia Capraro, Leoni Kunz, Alina Marty, Cara Lewis, Heba Sol Stefansdottir, Viviane Habegger / Cosima Wildberger, Laura Gassmann, Adiva Joseph, Tessa Güssow, Matilda Vollmer (eingewechselt) / Darija Ilic, Jette Kleipa / verletzt: Jil Joos, Efa Masoura


